Abhängige Beschäftigung

Gleitzonenbeschäftigung

Liegt das Arbeitsentgelt aus einer Beschäftigung regelmäßig innerhalb der sog. Gleitzone von 450,01 € bis 850,00 € im Monat, dann handelt es sich um eine Gleitzonen-Beschäftigung (§ 20 Abs. 2 SGB IV). Sie ist sozialversicherungs- und steuerpflichtig, Pauschalierungsmöglichkeiten gibt es nicht. Um jedoch einen sprunghaften Anstieg der Sozialversicherungsbeiträge bei Überschreiten der Geringfügigkeitsgrenze von 450 € zu vermeiden, wurde die Gleitzone eingeführt. Die Arbeitnehmer/innen können hierbei einen niedrigeren Sozialversicherungsbeitrag zahlen, der - je nach Monatsverdienst - von ca. 11 % bei 450,01 € allmählich auf den vollen Beitrag von z. Zt. ca. 20% bei 850,00 € ansteigt (Stand 2015). Der Verein muss stets den vollen Beitrag entrichten.


Bei der Prüfung, ob das Arbeitsentgelt in der Gleitzone liegt, ist vom regelmäßigen monatlichen Bruttoverdienst auszugehen. Dabei finden dieselben Grundsätze Anwendung, die auch für die Ermittlung des regelmäßigen Arbeitsentgelts bei 450-€-Jobs gelten. Bei mehreren Beschäftigungsverhältnissen ist das insgesamt erzielte Arbeitsentgelt maßgebend (Ausnahme: ein 450-€-Minijob bleibt neben einem Gleitzonen-Job zusammenrechnungsfrei).


Die besonderen Regelungen zur Gleitzonen-Beschäftigung gelten nicht für Arbeitnehmer/innen, deren monatliches Arbeitsentgelt regelmäßig mehr als 850 € beträgt und bei denen lediglich ein vorübergehend reduziertes Arbeitsentgelt in die Gleitzone fällt.


Beispiel:


Der Platzwart eines Sportvereins erhält bei voller Arbeitszeit ein regelmäßiges monatliches Arbeitsentgelt von 1.000 €. Im Monat Dezember fallen weniger Arbeitsstunden an, das dabei erzielte Arbeitsentgelt beträgt nur 650 €.


Obwohl das Arbeitsentgelt im Dezember unter 850 € liegt, findet die Gleitzonenregelung auch in diesem Monat keine Anwendung, weil die Entgeltgrenze von 850 € regelmäßig überschritten wird und das Arbeitsentgelt nur vorübergehend reduziert ist.


Um die Beiträge bei einem Gleitzonen-Job berechnen zu können, wird zunächst das tatsächliche Arbeitsentgelt in ein fiktives beitragspflichtiges Bemessungsentgelt umgerechnet, aus dem sich dann der gesamte Sozialversicherungsbeitrag - also Vereins- und Arbeitnehmeranteil zusammen - ergibt. Für 2015 gilt folgende Formel:


Bemessungsentgelt = 1,2716875 x Arbeitsentgelt – 230,934 €


Die Formel ist für jedes Kalenderjahr verschieden, weil sie vom durchschnittlichen Gesamtsozial-versicherungsbeitrag des jeweiligen Jahres abhängt. In einem zweiten Rechenschritt wird – ausgehend vom tatsächlichen Arbeitsentgelt – der Arbeitgeberanteil an den Beiträgen ermittelt. Der Arbeitnehmeranteil ergibt sich dann aus der Differenz zwischen dem tatsächlichen Gesamtbeitrag und dem Arbeitgeberanteil.


Arbeitnehmeranteil = Gesamtbeitrag – Arbeitgeberanteil


(auf Basis des fiktiven (auf Basis des tatsächlichen Bemessungsentgelts Arbeitsentgelts)

 

Beispiel:


Die Verwaltungsmitarbeiterin in der Geschäftsstelle eines Sportvereins erhält ein monatliches Arbeitsentgelt von 650 €. Ihre Krankenkasse erhebt einen Arbeitnehmer-Zusatzbeitrag von 0,9 %.


Gesamt-Beitragssatz 
= (7,3 % + 8,2 %) KV + 2,35 % PV + 18,7 % RV + 3,0 % AlV = 39,55 %


Bemessungsentgelt = 1,2716875 x 650 € – 230,934 € = 595,66 €


Gesamtbeitrag = 39,55 % von 595,66 € = 235,58 €
Anteil Verein = 19,325 % von 650,00 € = 125,61 €
Anteil Mitarbeiterin = 109,97 €


In welchem Umfang das tatsächliche Arbeitsentgelt – und dadurch der Arbeitnehmeranteil am Sozialversicherungsbeitrag - reduziert wird, kann beispielhaft der folgenden Tabelle entnommen werden (Stand 2015):

tatsächliches Arbeitsentgelt

fiktives

Bemessungs-entgelt

Gesamt-
SV-Beitrag

Anteil
Verein


Anteil
Arbeit-nehmer/in

450,01 €

550,00 €

650,00 €

750,00 €

850,00 €

341,34 €

468,49 €

595,66 €

722,83 €

850,00 €

135,00 €

185,29 €

235,58 €

285,88 €

336,18 €

86,96 €

106,29 €

125,61 €

144,94 €

164,26 €

48,04 €

79,00 €

109,97 €

140,94 €

171,92 €

Die meisten Krankenkassen haben auf ihren Internetseiten einen sog. Gleitzonenrechner eingestellt, mit dem man die einzelnen Sozialversicherungsbeiträge sehr leicht ermitteln kann.


Bei der Rentenberechnung werden später nur die fiktiven beitragspflichtigen Bemessungsentgelte zugrunde gelegt. Deshalb können sich Gleitzonen-Beschäftigte dafür entscheiden, den vollen Rentenversicherungsbeitrag zu bezahlen. Sie müssen dies gegenüber dem Verein schriftlich erklären. Der Verein berechnet dann – allerdings nur mit Wirkung für die Zukunft – die Rentenversicherungsbeiträge wieder nach dem tatsächlichen Arbeitsentgelt.

 

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