Ehrenamtliche/freiwillige Mitarbeit

Ehrenamtsfreibetrag: Höhe und Bezugszeitraum

Die Steuer- und Sozialversicherungsfreiheit ist - auch bei Einnahmen aus mehreren nebenberuflichen Tätigkeiten, z. B. für verschiedene Sportorganisationen, und bei Nachzahlungen für eine in mehreren Jahren ausgeübte Tätigkeit - insgesamt auf einen Betrag von 720 € pro Kalenderjahr begrenzt.


Achtung: Der Verein sollte sich unbedingt von dem/der ehrenamtlichen/freiwilligen Mitarbeiter/in schriftlich bestätigen lassen, ob und ggf. in welcher Höhe der Freibetrag bereits bei einer anderen Tätigkeit – z. B. für einen anderen Verein – in Anspruch genommen wurde oder wird (siehe Ehrenamts-Mustervereinbarung)!


Eine zeitanteilige Aufteilung des Jahres-Freibetrages ist nicht erforderlich; d. h. auch dann, wenn die Tätigkeit nur während eines Teils des Jahres ausgeübt wird, hat man trotzdem Anspruch auf den vollen Jahres-Freibetrag.


Überschreiten des Ehrenamtsfreibetrages


In den Betrag von 720 € sind alle steuerpflichtigen Zuwendungen und geldwerten Vorteile einzurechnen, die der/die ehrenamtliche/freiwillige Mitarbeiter/in im Zusammenhang mit der Tätigkeit erhält. Ein höherer Betrag als 720 €/Kalenderjahr kann grundsätzlich nur dann steuer- und sozialversicherungsfrei ausgezahlt werden, wenn ein entsprechender steuerlich berücksichtigungsfähiger Aufwand in voller Höhe konkret nachgewiesen wird.


Wenn jedoch auf bestimmte Bezüge sowohl der Ehrenamtsfreibetrag als auch andere Steuerbefreiungsvorschriften anwendbar sind, dann bleibt die Steuerfreiheit nach anderen Vorschriften vom Ehrenamtsfreibetrag unberührt (R 3.26 Abs. 7 LStR).

Beispiele:

  • Aufwandsentschädigungen aus öffentlichen Kassen (§ 3 Nr. 12 EStG), jedoch nicht für die gleiche Tätigkeit (s. o.)

  • Reisekostenvergütungen, etc. aus öffentlichen Kassen (§ 3 Nr. 13 EStG)

  • Erstattung von Reisekosten, Verpflegungsmehraufwendungen, etc. an Arbeitnehmer/innen (§ 3 Nr. 16 EStG)

  • Übungsleiterfreibetrag (§ 3 Nr. 26 EStG), jedoch nicht für die gleiche Tätigkeit (s.o.)

  • durchlaufende Gelder und Auslagenersatz (§ 3 Nr. 50 EStG)

  • Werbungskosten-Pauschbetrag für Arbeitnehmer/innen (§ 9a Satz 1 Nr. 1a) EStG)

  • sonstige Einkünfte (§ 22 Nr. 3 Satz 2 EStG)

Die verschiedenen Steuerbefreiungsvorschriften können in der Reihenfolge angewendet werden, die für die/den Steuerpflichtige/n am günstigsten ist.


Achtung: Bei der Kombination verschiedener Steuerbefreiungsvorschriften ist unbedingt darauf zu achten, dass die jeweiligen Anspruchsvoraussetzungen voll erfüllt sind; bestimmte Steuerbefreiungen gelten z. B. nur für Arbeitnehmer/innen (s.o.)!


Bei Überschreiten des Ehrenamtsfreibetrages besteht die Möglichkeit – je nach Tätigkeitsmerkmalen - entweder eine abhängige Beschäftigung oder ein selbstständiges Auftragsverhältnis zu vereinbaren.


Bei einer nebenberuflichen Tätigkeit (nicht mehr als ein Drittel der Arbeitszeit eines vergleichbaren Vollzeiterwerbs, s. o.) wirkt sich der Ehrenamtsfreibetrag wie eine Werbungskosten- bzw. Betriebsausgabenpauschale aus, d. h. von den Einnahmen kann man entweder die tatsächlichen Aufwendungen oder pauschal 720 € als Werbungskosten bzw. Betriebsausgaben abziehen und nur der übersteigende Betrag ist ggf. steuer- und sozialversicherungspflichtig.


Die in § 3 Nr. 26 a EStG genannten steuerfreien Einnahmen gehören auch in der Sozialversicherung nicht zum Arbeitsentgelt (§ 14 (1) Satz 3 SGB IV). Der steuer- und sozialversicherungsfreie Jahresbetrag von 720 € kann beliebig verteilt werden, z. B. monatlich 60 € oder jeweils vom Jahresbeginn bzw. vom Beginn der Tätigkeit in Höhe der monatlichen Vergütung bis zur vollen Ausschöpfung des Freibetrages.

 

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